Lesen

Februar 2013

Liebe Eltern,

die Leseförderung ist uns in der Barbaraschule ein besonderes Anliegen und ein fester Bestandteil unserer alltäglichen Arbeit. Und das nicht erst seitdem die PISA-Studie in der Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht hat, wie wichtig die Förderung von Lesemotivation und Lesekompetenz u.a. für die allgemeinen Bildungsprozesse der Kinder sind. Das zeigen ganz besonders die sehr positiven und überdurchschnittlichen Ergebnisse der Kinder in den VERA Ergebnissen in diesem Jahr. Damit die Kinder auch in Zukunft gute Ergebnisse erzielen, verstärken wir unser Schulprofil und widmen uns diesem Thema erneut.

Aber warum ist „Lesenkönnen“ und „Lesenwollen“ nun so wichtig? … Und wie wird ein Kind überhaupt zum erfolgreichen Leser / zur erfolgreichen Leserin? … Wie kann erfolgreiche Leseförderung innerhalb der Schule aussehen? …

Und wie im Elternhaus? … Das ist doch die Aufgabe der Schule, oder? …

 

 

Mit diesen und ähnlichen Fragen wollen wir uns in diesem Themenbrief beschäftigen.

 

Lesen schafft Chancen

Lesen ist eine grundlegende Voraussetzung für die Ausbildung wichtiger sprachlicher, kognitiver und sozialer Qualifikationen, die nicht nur für Erfolg in der Schule, sondern für das gesamte Leben unserer Kinder wichtig sind. Lesen fördert zum Beispiel die Entwicklung von Konzentration und Ausdauer und schult das Denken und Verstehen.

Lesen regt die Vorstellungskraft, Fantasie und Kreativität an und wirkt sich förderlich auf die gesamte Persönlichkeitsentwicklung aus. Regelmäßiges Lesen erweitert die Sprachkompetenz und eröffnet einen Zugang zu allen schriftlich überlieferten Kulturgütern. Hierzu gehören nicht nur Bücher, sondern auch Zeitschriften, Zeitungen, Werke auf CD-ROM oder das Internet. Lesenkönnen ist die Voraussetzung dafür, sich selbstständig Wissen aneignen zu können, lebenslang lernfähig zu bleiben, Bildungs- und Lebenschancen erfolgreich wahrzunehmen und sich zu einem selbstständigen und erfolgreichen Mitglied unserer modernen Gesellschaft entwickeln zu können.

Lesen ist der Schlüssel zur Kultur und zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

 

Wie wird ein Kind zum Leser?

Kinder werden nicht dadurch zu Lesern, dass sie bestimmte Lesetechniken beigebracht bekommen. Kinder werden erst dann zu „wirklichen“ Lesern, wenn sie Lesen als für sie persönlich wichtige Tätigkeit erfahren. Kinder brauchen Gründe, um sich dauerhaft auf den mühsamen Weg des Lesen- und Schreibenlernens zu machen. Lesemotivation wird allerdings auch über den Leselernprozess hinaus als die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung von Lesekompetenz angesehen.

Kinder brauchen also, um Leser zu werden, unter anderem eine anregende Leseumwelt, eine angenehme Leseatmosphäre, erwachsene Lesevorbilder, alltägliche Lesesituationen, individuelle Rückzugsmöglichkeiten fürs Lesen der unterschiedlichsten Texte, sinnvolle Lese- und Vorleseanlässe, Gesprächspartner mit denen man über das Gelesene oder Gehörte sprechen kann, das gemeinsame Erleben, dass Lesen Freude machen kann und man durch Lesen viel Neues und Aufregendes erfahren kann.

Die Förderung von Lesemotivation und Lesekompetenz ist also nicht allein Aufgabe der (Grund-)Schule, sondern die Entwicklung einer tief greifenden Lesemotivation beginnt schon viel eher und braucht viel mehr, als die Schule alleine es bieten kann.

Eine erfolgreiche Lesesozialisation im Elternhaus ist auch für die späteren Phasen der Entwicklung von Lesemotivation und Lesekompetenz von größter Bedeutung.

 

Sie beginnt schon beim Vorlesen von Bilderbüchern im Kleinkindalter und geht über einen gemeinsamen Besuch einer Buchhandlung oder einer Bibliothek bis hin zu gemeinsamen „Lesegesprächen“ z.B. über die Lieblingsbücher der Kinder, ihr aktuelles „Lesefutter“, usw..

Lesemotivation kann sich nur dann entwickeln, wenn die Kinder ausreichend Gelegenheit bekommen, aus ihrem eigenen Interesse heraus ihren Lese- bzw. Vorlesestoff selber auszuwählen, ob ein Sachbuch, ein Bilderbuch oder eine Geschichte. „Lesen lernt man nur durch Lesen“, jeder Leser für sich, über die Schule und Schulzeit hinaus.

 

Leseförderung in der Barbaraschule

Leseförderung in der Barbaraschule findet in vielerlei Bereichen statt. Dabei spielen neben der Förderung des sinnentnehmenden Lesens und der Erarbeitung unterschiedlicher Lesestrategien, auch das genießende Lesen selbst gewählter Lektüre und das Vorlesen durch Kinder oder durch die Klassenlehrerin eine wichtige Rolle.

 

Nur einige praktische Beispiele können wir an dieser Stelle nennen:

 

à    Die Schulbuchaktion im 1. Schuljahr: Alle Erstklässler erhalten in einer Feier im Foyer ein Buchpräsent und einen Ausweisgutschein für die Stadtbücherei.

à    Welt – Vorlesetag im November: Aus der Bücherei Brühl Ville kommen Damen in alle Klassen und lesen den Kindern vor.

à    Es gibt regelmäßige Vorlesezeiten durch die Klassenlehrerin.

à    Alle Kinder haben die Möglichkeit am Leseprogramm „Antolin“ teilzunehmen.

à    Welttag des Buches im April: Alle Viertklässler besuchen gemeinsam mit den Klasselehrerinnen eine Buchhandlung und erhalten dort ein Buchpräsent.

à    Jährlich stattfindende Autorenlesungen öffnen den Kindern den Blick zu neuer Literatur.

à    Die Kinder der 3/4 nehmen am Zeitungsprojekt „Zisch“ teil. Dies ermöglicht ihnen den Einblick in die aktuelle Zeitung vor Ort.

à    Durch die Arbeit mit den Lesetexten und -aufgaben von Norbert Sommer-Stumpenhorst, verschiedenen anderen Lesefördermaterialien u. –spiele, Lies mal Heften, usw. haben die Kinder die Möglichkeit ihren Kompetenzen entsprechend zu lernen.

à    Durch die selbstständige Vorbereitung von Referaten erhalten die Kinder neue Impulse und mögliche Strategien im Umgang mit Texten.

à    Die Kinder erhalten regelmäßige freie Lesezeiten. Dafür gibt es in allen Klassen eine Klassenbücherei.

à    Seit Jahren gibt es Lesepausen / Schulbüchereiöffnungszeiten in den Pausen, die durch Eltern betreut werden.

à    Verschiedene Arbeiten zu gemeinsam gelesenen Bilderbüchern oder Geschichten, z.B. Schreib- oder Malanlässe, sind Bestandteil des Unterrichts.

à    Schreiben und präsentieren von individuell verfassten Texten fördert die Lesekompetenzen.

à    Das Vorstellen von Büchern im Klassenverband dient der Leseförderung.

à    In allen Klassen wird jährlich eine Klassenlektüre gemeinsam gelesen, bearbeitet und ein Lesetagebuch oder Ähnliches dazu erstellt.  

 

Darüber hinaus wird in einigen Wochen unsere Bücherei vergrößert eröffnet, die Schulbibliothek der Barbaraschule. Die Kinder können die Bücherei dann während der Pausen, der Betreuungszeit und des Unterrichts gemeinsam mit ihrer Klasse zu festen Lesezeiten nutzen, aber auch über den Unterricht hinaus in freien Lesezeiten, die von Lesemüttern betreut werden.

Einmal im Jahr findet zu wechselnden Themen und Lektüren schulübergreifend ein Leseprojekttag statt.

 

Lesetipps für Eltern

(vgl. Zeitschrift „ Grundschule Deutsch, Heft 1/2004)

 

1. Tipps für das Lesen zu Hause:

          Lesen Sie Ihrem Kind regelmäßig vor.

          Suchen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam das (Vor-)Lesebuch aus.

          Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das Gelesene: „Weißt du noch, was passiert ist?“, „Wie könnte die Geschichte weitergehen?“, …

          Gestalten Sie eine ruhige, gemütliche Leseecke mit unterschiedlichen Lesetexten.

          Finden Sie heraus, was ihr Kind interessiert: Jungen lesen z.B. oft lieber Sachbücher, Mädchen oft gerne Pferdegeschichten.

          Auch Comics und Zeitschriften sind erlaubt!

          Lassen Sie ihr Kind in Ruhe lesen und geben Sie ihm Zeit.

          Beim Lesen sind verschiedene Zugänge möglich – auch Bilder anschauen, Blättern und Stöbern gehören dazu.

          Werten Sie nicht das Fernsehen und den Computer ab, auch der sinnvolle Umgang mit diesen Medien gehört zur Entwicklung der Textkompetenz.

          Lesen Sie selbst! Lesevorbilder und die gemeinsame Freude am Lesen sind für die Entwicklung der Lesemotivation der Kinder sehr wichtig.

 

2. Die Rechte des Kindes beim Lesen:

 

Ihr Kind hat das Recht,

– sich seinen Lesestoff selbst auszuwählen,

– ein Buch auch mal nicht zu Ende zu lesen,

– laut zu lesen, leise zu lesen,

– ein Buch auch mehrmals zu lesen,

– zu lesen, wo es ihm gefällt und auch mal nicht zu lesen.

 

„Die guten Leute wissen gar nicht, was es für Zeit und Mühe kostet, das Lesen zu lernen und von dem Gelesenen Nutzen zu haben; ich habe achtzig Jahre dazu gebraucht.“ 

Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter, 1749 – 1832

(Goethe am 25.1.1830 zu Frédéric Soret)